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Perspektivenwechsel / Menschen mit Behinderungen

Der 3. Dezember ist weltweit Menschen mit Behinderungen gewidmet. Guter Grund, um einen Perspektivenwechsel anzustellen.

Mut bewiesen all jene, die sich auf eine sogenannte Sensing Journey am Wiener Westbahnhof einließen. An vier Stationen konnten Fahrgäste eine Reise in der Welt der Menschen mit Behinderungen (MmB) unternehmen und selbst ausprobieren, wie man sich mit Seheinschränkungen am Bahnhof zurechtfindet oder vor welchen alltäglichen Barrieren Menschen im Rollstuhl stehen. Im Mittelpunkt stand dabei das individuelle Erleben der zahlreichen kleineren und größeren Hilfsmittel, die MmB den Alltag erleichtern. „Unfassbar, wie anders es ist, wenn man auf Gebärdensprache, Blindenstock oder Rollstuhl angewiesen ist. Ich war völlig aufgeschmissen“, schilderte eine Reisende ihre Eindrücke nachdenklich. Ausprobiert wurden der Ticketautomat im Rollstuhl, der Ticketkauf am höhenverstellbaren Verkaufsschalter, die Rolltreppe mit blickdichter Brille und die Gebärdensprache – wenn gewünscht – dann auch auf chinesisch.

Die Farbe lila

Lila Teppiche kennzeichneten die Aktionsfläche an diesem Tag symbolisch. Denn die Farbe Lila wird seit einigen Jahren ins­besondere im angloamerikanischen Raum als Farbe für Behinderungen genutzt. An den vier Stationen mit Expertinnen und Experten, die selbst eine oder mehrere Behinderungen haben, wurde informiert, aufgeklärt und sensibilisiert.

Barrierefreiheit hilft allen

Bei Barrierefreiheit denkt man zwar zuallererst an Rollstuhl­be­nutzerInnen, Menschen mit Gehhilfen oder an Sehbehinderte. Ein Lift, eine Rampe, ein breiterer Eingang, niveaugleiche Einstiege sind aber auch für Menschen mit Kinderwägen oder Gepäck sowie ältere Reisende wichtig. Und damit die Reise gut funktioniert investieren die ÖBB laufend in Barrierefreiheit. Neuanschaffungen bei der Fahrzeugflotte des ÖBB-Personenverkehrs und des ÖBB-Postbusses werden nach den Kriterien der Barrierefreiheit ausgewählt. Bei der ÖBB-Infrastruktur wird massiv daran gearbeitet, dass im Jahr 2027 für 90 Prozent aller Bahnreisenden barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen zur Verfügung stehen.

„Erst, wenn man selbst einmal ausprobiert, wie sehr bei Behinderungen das Leben beein­trächtigend sein kann, wird klar und nachvollziehbar, warum Unternehmen wie die ÖBB so viel in Barrierefreiheit investieren. Das fühlt sich gut an“, lautet das Resümee eines weiteren Reisenden.

Miteinander arbeiten

Seit einem Jahr gibt es das Programm MitarbeiterInnen mit Behinderungen (MmB). Im Open Innovation Lab zogen ExpertInnen und Führungskräfte ein erstes Zwischenergebnis. Es gibt noch viele offenen Fragen, die Umsetzung ist nicht immer leicht. Für Patrick Stanton, BCC Kompetenzcenter Disability, liegen die Herausforderungen auf der Hand und reichen von baulichen Maßnahmen bis zur Beratung von Führungskräften und Kolleginnen.

Bezug nehmend auf die Sensing Journey am Westbahnhof ist die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel Voraussetzung für gute Zusammenarbeit. Führungskräfte und die KollegInnen müssen sich wechselseitig in die Lage des bzw. der anderen versetzen können. „Deshalb gibt es ab Frühjahr 2019 entsprechende Schulungsangebote“, so Stanton.

Bei der Begleitung unserer KollegInnen mit Behinderungen ist die Erfahrung unserer Behindertenvertrauenspersonen besonders wichtig. Wenn eine Behinderung vorliegt, ist der erste große persönliche Schritt, zu dieser zu stehen. Roman Wohlgemuth, Konzernbehindertenvertrauensperson: „Damit dieser Schritt getan werden kann, arbeiten wir gemeinsam an einer guten Unternehmenskultur.“ Denn Behinderung darf nicht zum Ausschluss führen. Das hilft niemanden – weder der Belegschaft noch dem Unternehmen.