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Schallschutz bei neuen Infrastruktur­projekten

Bei allen Neu- und Ausbaustrecken sind Schallschutzmaßnahmen fixer Bestandteil des Projektes und selbstverständlich Teil einer etwaigen Umweltverträglichkeitsprüfung.

Die ÖBB-Infrastruktur setzt modernste Materialien und viel Geld ein, um Schallemissionen möglichst effizient einzudämmen. Und wir forschen und entwickeln selbst Lösungen, um etwa Schallschutzwände und neue Absorptions-Technologien noch besser zu machen.

4 Beispiele für innovative Lösungen, die aus Bahnstrecken Flüsterstrecken machen

Grünbrücke Kühnsdorf

1.) Modernster Lärmschutz mit Grüntunneln: Koralmstrecke

Die Koralmstrecke wird die erste „Flüsterstrecke“ in Österreich. Auf der gesamten Länge von 130 km und natürlich auch im weiteren Verlauf am Wörthersee, werden Schallschutzmaßnahmen nach dem neuesten Stand der Technik umgesetzt.

Grüntunnel sind eine von vielen Maßnahmen: Für diese wird die Bahnstrecke zuerst in offener Bauweise hergestellt und dann mit Erdmaterial abgedeckt. Wie bei einem Tunnel „verschwindet“ die Strecke unter der Erde. Entlang der Koralmstrecke wurden in Kärnten (in Kühnsdorf und Peratschitzen) Grüntunnel errichtet (siehe auch Text weiter unten). Um Erschütterungen und damit auch Schall zu reduzieren, kommen in den Tunneln innovative Masse-Feder-Systeme zum Einsatz. Zwischen dem Schienenoberbau und der Tunnelsohle werden elastische Elemente eingebaut, die dafür sorgen, dass weniger Erschütterungen aus dem Zugverkehr übertragen werden und damit die Lautstärke reduzieren. Im Bereich der Tunnelportale kommen schallabsorbierende Verkleidungen zum Einsatz.

Ein Großteil des Ausbruchmaterials auf der Koralmbahn wird als Schüttmaterial für Schallschutzwälle und Bahndämme wiederverwendet. Das hilft der Umwelt doppelt: Zum einen entsteht durch die ortsnahe Verwendung weniger Transportlärm, zum anderen wird Material gespart.

Schallschutzwände werden entsprechend den regionalen Gegebenheiten umgesetzt. Ergänzend sind z.B. im Grazer Raum alte Fenster gegen Schallschutz-Fenster getauscht worden.

Visualisierung der Station Hietzinger Hauptstraße

2.) Lärmschutz an innerstädtischer Bestandsstrecke: Zukunftsprojekt Neue Verbindungsbahn

Ein besonders herausforderndes Projekt ist die Wiener Verbindungsbahn. Die Attraktivierung dieser Strecke zwischen Wien Hütteldorf und Wien Meidling macht künftig einen 15-Minuten-Takt auf der S80 und eine schnelle und komfortable Verbindung quer durch Wien von Hütteldorf bis Aspern Nord in nur 30 Minuten möglich. Herausforderungen gibt es bei diesem Projekt einige: Effizienter Schallschutz muss mit der Forderung, den Bezirk nicht durch hohe Schallschutzwände zu „teilen“, in Einklang gebracht werden.

Entlang der Strecke wird beidseits eine 5 km lange und mindestens 2 m hohe durchgehende Schallschutzwand entstehen. Permanent offene Über- oder Unterführungen für Fußgänger, Radfahrer und den motorisierten Individualverkehr ersetzen Eisenbahnkreuzungen. Damit kein Gefühl einer „Teilung“ entsteht, werden im Bereich von Sichtachsen im Sinne einer offenen, durchlässigen Gestaltung Schallschutzwände aus Glas errichtet. Die Gestaltung der Beton-Schallschutzwände werden wir gemeinsam mit der Stadt Wien im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs ausloben.

Die Kosten für die Lärmschutzwände belaufen sich auf rund 7,1 Millionen Euro, für die Fensterförderung wurden rund 3,5 Millionen Euro veranschlagt.

Nahaufnahme Lärmschutzwand

3.) Hochleistungsstrecke mit innovativem Hochleistungs-Schallschutz: Pottendorfer Linie

Innovative Schallschutzwände aus Holz-Betonfertigteilen kommen entlang der Pottendorfer Linie zum Einsatz: Im Bereich Münchendorf wurden erstmalig in Österreich Schallschutzelemente bzw. -wände für Zug-Geschwindigkeiten bis 250 km/h verbaut (Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke: 200 km/h). Mit einer Lebensdauer von mindestens 50 Jahren sind diese Wände ein Quantensprung im Vergleich zu vielen Holzkonstruktionen, die vormals entlang der Bahnstrecken verbaut wurden.

Die modernen Schallschutzwände sind eine von vielen Maßnahmen zur Schallreduktion: Insgesamt wurden mehr als 11 km Schallschutzwände beidseits der Gleise mit Kosten von rund 6,6 Mio. Euro errichtet.

Der durchgehend zweigleisige Ausbau der Pottendorfer Linie ist ein wichtiger Baustein des viergleisigen Ausbaus der Südstrecke zwischen Wien und Wiener Neustadt – einem der am stärksten befahrenen Abschnitte des gesamten ÖBB-Netzes.

Güterzugumfahrung

4.) Errichtung von Erddämmen: Güterzugumfahrung (GZU) St. Pölten - Lückenschluss St. Pölten–Loosdorf

Um die Schallemissionen möglichst gering zu halten, wurden bei der Güterzugumfahrung (GZU) St.Pölten–Loosdorf neben Schallschutzwänden auch Erddämme errichtet. Die Investitionen für die Schallschutzmaßnahmen betrugen für die knapp 25 km mehr als 16 Mio. Euro.

Die GZU entlastet das Zentrum St. Pöltens vom Güter-Durchzugsverkehr und schafft, unter anderem für den Personenverkehr, Kapazitäten. Die Strecke,  lange auch als Güterzugumfahrung St. Pölten bezeichnet, zweigt östlich von St. Pölten im Knoten Wagram ab, umfährt die niederösterreichische Landeshauptstadt entlang der Schnellstraße S33 und der Westautobahn A1 und gelangt im Knoten Rohr, knapp vor Loosdorf, wieder zur bestehenden Weststrecke.