* 12. Juni 1794 in Wien
† 10. Juli 1866 in Baden bei Wien
Heinrich Joachim Ritter von Sichrovsky betrieb am Wiener Polytechnikum besondere kommerzielle Studien und sammelte so nach seinem Abschluss seine ersten beruflichen Erfahrungen im Wiener Großhandels- und Bankhaus Michael Lazar Biedermann, das mit dem Bank- und Wechselhaus von Salomon M. v. Rothschild assoziiert war und erhielt dort bald auch die Prokura.
Auf einer seiner zahlreichen Reisen durch Europa lernte er 1831 in England die dampfgetriebene Eisenbahn und deren Vorteile gegenüber von mit Pferden bespannten Wagenzügen kennen. Für den Entwurf des ersten Organisationsstatuts der ältesten Lokomotiveisenbahn in Österreich klärte er die wirtschaftlichen Aspekte sowie die technisch administrativen Voraussetzungen. Dazu publizierte er 1834 ein diesbezügliches „Promemoria über die Anlage, Unterhaltungskosten und Frachtquantum“. Dies war eine Studie, die die Auswirkungen der neuen Schienenverbindung auf Handel, Verkehr und Industrie mit weitem Blick betrachtete und stellte auch die Basis für die Gründung der Gesellschaft zur Finanzierung des Baus der ersten Lokomotiveisenbahn in Österreich dar. Diese wurde als Aktiengesellschaft gegründet und Sichrovsky wurde deren erster Generalsekretär. Diese Eisenbahnlinie wurde als „k.k. privilegierte Kaiser Ferdinands-Nordbahn“ (KFNB) bezeichnet, die ab 1837 Floridsdorf (damals noch nicht zu Wien gehörig) und Deutsch Wagram in Niederösterreich verband.1838 erfolgte die Verlängerung zum Wien Nordbahnhof sowie in den Folgejahren mit weiteren Streckeneröffnungen über Gänserndorf und Brünn Richtung Norden bis zu den Salzbergwerken von Bochnia in Galizien.
1844 suchte Sichrovsky erfolglos um eine Konzession für eine „atmosphärische Eisenbahn“ an, die teils als Hochbahn, teils in Einschnitten verkehren sollte und ähnlich der 1898 eröffneten Wiener Stadtbahn nach Hütteldorf geführt hätte. Ebenfalls wurde ihm 1845 die Genehmigung zur Gründung einer „Anglo-Austrian Railway-Company“ als Aktiengesellschaft versagt wie auch 1855 eine geplante Westbahn von Stockerau durch das Donautal über Linz nach Salzburg.
1850 erhielt Sichrovsky als einer der ersten Juden das Wiener Bürgerrecht. 1864 in die Direktion der KFNB gewählt, war Sichrovsky ein unerbittlicher Gegner der Staatseisenbahn-Gesellschaft und deren Plänen zum Aufbau eines ergänzenden Eisenbahnnetzes, wodurch es zu einem Konzessionsstreit kam.