1942 – Frauen bei der Deutschen Reichsbahn

Ab 1942 suchte die Deutsche Reichsbahn händeringend nach Personal und warb gezielt Frauen an.

Hinweis: Ohne die Thematisierung der Zeit zwischen 1938 und 1945, in der die Bahn ein zentrales Herrschaftsmittel des Nationalsozialismus war, bleibt die Bahngeschichte bruchstückhaft und unzureichend. In der Publikation Verdrängte Jahre gehen wir im Detail auf alle Geschehnisse des II. Weltkrieges in Verbindung mit den ÖBB ein.

1942 war der Personalmangel in der Reichsbahn so groß, dass neue Zielgruppen angeworben wurden. Viele Bedienstete, „gut eingearbeitete Kräfte“, wie es im Geschäftsbericht steht, waren von der Wehrmacht eingezogen worden. Um die dadurch entstandenen „Lücken“ zu füllen und „um die Leistungen in der Fahrzeugausbesserung und in der Bahnunterhaltung auf das betriebsnotwendige Maß erhöhen zu können (…), mußte mehr noch als bisher auf Frauen und ausländische Arbeitskräfte zurückgegriffen werden“. „Von der Möglichkeit der Verlängerung der Arbeitszeit auf 56 Wochenstunden und der Leistung von Überzeitarbeit“ wurde ebenso Gebrauch gemacht, so der Wortlaut des Berichts.

Eine Mitarbeiterin bei der Zugmeldung über das Morsegerät Eine Mitarbeiterin bei der Zugmeldung über das Morsegerät

Propagandakarte Schaffnerin in einem Reichsbahnzug Propagandakarte Schaffnerin in einem Reichsbahnzug

„Deutsche Frauen und Mädel – Helft mit bei der Reichsbahn!“

Im Gegensatz zu Arbeitsplätzen in der Industrie erhielten die Frauen bei der Reichsbahn gleiche Löhne für gleiche Arbeit. Führungspositionen für Frauen waren allerdings die absolute Ausnahme; die meisten arbeiteten in schlechter bezahlten Positionen. Da für das Tragen von Lasten bei Frauen ein Gewichtslimit von 15 kg galt, fielen Positionen mit körperlich anstrengender Arbeit für sie weg. Übrig blieben „einfache“ Arbeiten. Um die entsprechenden Positionen zu besetzen, warb die Reichsbahn mit Werbepostkarten, auf denen Sprüche wie „Deutsche Frauen und Mädel – Helft mit bei der Reichsbahn!“ zu lesen waren. Um die offenen Stellen besetzen zu können, fiel das Alterslimit für Frauen ab 1942 sogar auf unter 16 Jahre.

Postkarte für Suche nach weiblichen Arbeitskräften der Deutschen Reichsbahnen Mit dieser Postkarte suchen die Deutschen Reichsbahnen nach weiblichen Arbeitskräften

Putzen, Kochen, Büroarbeiten.

Diese einfachen Arbeiten, für die man händeringend Frauen suchte, zogen sich durch fast alle Abteilungen. Der Wortlaut im Amtsblatt der Reichsbahndirektion lautete: „Sie [Anm.: Frauen] werden insbesondere für folgende Verwendungen benötigt: Bürokräfte mit technischen Kenntnissen und Stenotypistinnen, Schalter- und Abfertigungsdienst bei Fahrkartenausgaben, Gepäck- und Güterabfertigungen, Betriebsdienst als Telegraphistin, Weichenwärterin, Hemmschuhlegerin, Zugabfertigerin, Sicherheitsposten bei Gleisarbeiten, Schrankenwärterin, Maschinen- und Wagenputzerin, Haus- und Reinigungsdienst, Werk- und Lagerküchen.“ Dass nun so viele Frauen bei der Reichsbahn arbeiteten, hatte nichts mit dem Gedanken der Förderung zu tun: Sie wurden ausschließlich wegen des Mangels an billigen Arbeitskräften eingestellt.

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