Deportationen: das dunkelste Kapitel der Eisenbahngeschichte

Von Wien aus wurden rund 50.000 Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und Andersdenkende mit Eisenbahnzügen deportiert.

Hinweis: Ohne die Thematisierung der Zeit zwischen 1938 und 1945, in der die Bahn ein zentrales Herrschaftsmittel des Nationalsozialismus war, bleibt die Bahngeschichte bruchstückhaft und unzureichend. In der Publikation Verdrängte Jahre gehen wir im Detail auf alle Geschehnisse des II. Weltkrieges in Verbindung mit den ÖBB ein.

Das dunkelste Kapitel in der Eisenbahngeschichte betrifft die organisierten Deportationstransporte mit Eisenbahnzügen in die Konzentrationslager und Vernichtungslager, wo die nicht Arbeitsfähigen sofort nach Ankunft in Gaskammern getötet und in eigens errichteten Krematorien verbrannt wurden.    

Zweiachsiger Gefangenenwagen Ansicht eines zweiachsigen Gefangenenwagens

Deportationen von Wien aus.

Auch von Wien aus wurden knapp 100 Deportationstransporte abgefertigt, die meisten gingen vom Wiener Aspangbahnhof aus. Dabei wurden rund 50.000 Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sowie Andersdenkende in Sondertransporten deportiert. Für die Transporte wurden teilweise Personenwagen, teilweise aber nur geschlossene Güterwagen verwendet, die menschenunwürdigst waren: Sie hatten weder Fenster, Sitze noch Toiletten. Die Transporte konnten bis zu vier Tage dauern, weil alle anderen Zuggattungen Vorrang hatten. Die vorrangigen Ziele der Transporte aus Wien waren Theresienstadt (im heutigen Tschechien), Maly Tronstinec nahe Minsk (im heutigen Weißrußland) und Auschwitz/Oswiecim (im heutigen Polen).

Häftlingstransporte in Zellenwagen.

Großteils unerforscht ist der Transport von Häftlingen in sogenannten Zellenwagen der Reichsbahn. Diese Wagen wurden an fahrplanmäßig verkehrende Reisezüge angehängt. So ist ein Rundkurs vom Wiener Franz Josefs-Bahnhof nach Mauthausen, dem Standort des größten Konzentrationslagers in der Ostmark, nachgewiesen.

Zwangsarbeiter:innen-Transporte ins Deutsche Reich.

Auch weitgehend unerforscht ist der Transport von Zwangsarbeiter:innen ins Deutsche Reich, die vielfach in der Landwirtschaft und in deutschen Industriebetrieben eingesetzt wurden, um die zur Deutschen Wehrmacht einberufenen und oftmals im Krieg gefallenen Arbeitskräfte zu ersetzen. 7,6 Millionen (!) Menschen aus so gut wie allen besetzten Ländern Europas waren 1944 nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit gezwungen worden. Knapp 20.000 Menschen wurden auch bei der Deutschen Reichsbahn in der Ostmark eingesetzt, zum Beispiel im Gleisbau oder in den Werkstätten. Frauen mussten oftmals in den Werksküchen schuften. Zur leichteren Verständigung legte die Reichsbahn damals sogar Sprachführer auf, unter anderem um die Eisenbahnfachbegriffe in die verschiedenen Fremdsprachen zu übersetzen.

Arbeitsbuch einer Zwangsarbeiterin der Reichsbahn Arbeitsbuch einer Zwangsarbeiterin der Reichsbahn
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