1918 – Prolog: Was vor der Gründung der ÖBB geschah

Nach dem I. Weltkrieg minimierte und änderte sich das Streckennetz – und die Bahn stand vor einigen Hürden.

Auf rund ein Siebtel war das Streckennetz der österreichischen Bahn nach dem ersten Weltkrieg geschrumpft: Von den 46.000 Kilometern in der österreichisch-ungarischen Monarchie blieben nur 6.000 übrig. Die neuen Grenzen der Republik Deutsch-Österreich, die 1918 ausgerufen wurde, veränderten die Hauptrouten der Eisenbahn: Die Hauptstadt Wien lag nicht mehr im Mittelpunkt der Mobilität, sondern am östlichen Rand; die Routen verliefen nicht mehr vornehmlich von Norden bis Süden, sondern von Osten nach Westen.

Karte von Streckennetz der österreichischen Bahn um 1918 (i) Karte zum Vergrößern bitte anklicken

Teure Kohle, wenig Personal, wenige Züge. 

Wie man sich vorstellen kann, stand das Land nach Kriegsende vor großen Herausforderungen. Da waren Hunderttausende Armeeangehörige, die in die Heimat zurückgeholt werden mussten. Viele der Lokomotiven, Reisezug- und Güterwagen waren aber nicht mehr verfügbar, weil sie an die Bahnverwaltungen der Nachfolgestaaten der Monarchie abgegeben worden waren. Es gab auch weniger Personal, und die Kohle für die Dampflokomotiven war Mangelware und musste zu erhöhten Preisen importiert werden.

Warum damals „BBÖ“ zum Kürzel der Bahn wurde.

Die ÖBB hießen damals auch anders. „Deutsch-Österreichische Staatsbahnen“ war der erste Name der Eisenbahn, die unter der Führung des Österreichischen Staatsamtes für Verkehrswesen stand. Nach dem Friedensvertrag von St. Germain wurde die Bezeichnung 1919 in „Österreichische Staatsbahnen“ geändert. 1921 war die Bahn dem Ministerium für Handel und Verkehr unterstellt und sollte so wie heute heißen: „Österreichische Bundesbahnen“. Dieser Name ging allerdings nicht durch, denn 1922 wurde das Eisenbahnwesen reorganisiert – und nachdem die private schweizerische „Oensingen-Balsthal-Bahn“ schon das Kürzel ÖBB verwendete, war das der österreichischen Bahn nicht erlaubt. Als sie 1923 gegründet wurde, kannte man sie unter dem Kürzel „BBÖ“, mit dem auch die Fahrzeuge beschriftet waren.

Passagiere steigen in Zug ein Der große Schritt in eine neue Ära, aufgenommen am 01.01.1925 am Franz-Josefs-Bahnhof
© Lothar Rübelt/ÖNB Bildarchiv, picturedesk.com

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