1923, genau am 1. Oktober, nahmen die Österreichischen Bundesbahnen ihren Betrieb als eigenes wirtschaftliches Unternehmen auf – ein feierlicher Tag, könnte man meinen. Ein neu erlassenes Bundesgesetz war dafür verantwortlich, dass die Bahn nun nicht mehr, wie bisher, vom Bundesministerium für Handel und Verkehr betrieben wurde. Der Verkehrsminister hatte zwar noch die Aufsicht über die ÖBB, aber in technischen Belangen waren nun Angestellte der Bundesbahnen federführend.
Eisenbahner Anfang der 20er© Privatsammlung Derkits
Harte Zeiten: Personalabbau und Einsparungen.
Die erste Zeit war alles andere als einfach, denn die Inflation nach dem Krieg war enorm. Und bevor die Zwanzigerjahre golden wurden, waren sie grau und karg. Die ÖBB hatten zu ihrer Geburtsstunde schlichtweg zu wenig Geld zur Verfügung; die logische Konsequenz hieß sparen. Die Vorgaben kamen von ganz oben und waren sehr konkret: Die Regierung verlangte, dass ein Viertel des Personals – damals arbeiteten ca. 113.000 Personen bei der Bahn – innerhalb von fünf Jahren abgebaut wurde. In absoluten Zahlen bedeutete das fast 30.000 Mitarbeiter:innen weniger bis 1928.
Dokumentation des Personalabbaus bei den Österreichischen BundesbahnenGleichzeitig erhoffte man sich, dass der Umstieg von der Dampflokomotive auf die elektrisch betriebene Eisenbahn – die sogenannte „Elektrifizierung“ – eine wesentlich kostengünstigere Betriebsführung ermöglichte. Der Prozess ging allerdings nur schleppend voran, denn die „Kohlebarone“ taten alles, um den elektrischen Streckenausbau zu verhindern. Dazu kam dann auch noch die große Wirtschaftskrise von 1929 mit dem Börsencrash. Kein Wunder, dass die Bilanzen der ÖBB in den ersten Jahren alles andere als erfreulich waren: Die Umstände waren wahrlich suboptimal.
Streikende Eisenbahner am Franz-Josefs-Bahnhof im November 1924© Bundesarchiv Deutschland / Bild 102-00815
Zur Epochen-Übersicht