Ein richtiger Reiseboom setzte in Österreich ab Mitte der 1920er Jahre ein. Die wirtschaftliche Lage des Landes hatte sich beruhigt, sodass sich sogar Arbeiterfamilien aus Wien leisten konnten, am Wochenende mit der Bahn aufs Land zu fahren. Im Sommer war das Donau-Strandbad Kritzendorf ein beliebtes Ausflugsziel, im Winter fuhren die Städter:innen samt Skiern zum Wintersport nach Kaltenleutgeben im Südwesten Wiens, und in den Monaten dazwischen war das Wandern auf den Hausbergen Wiens – Semmering, Rax & Co – angesagt.
Semmeringbahn Innenansicht© Oesterreichische Lichtbildstelle/OeNB Bildarchiv
Aber auch das Salzkammergut, die Seen in Kärnten, das Gasteinertal, Kitzbühel und der Arlberg wurden zu Urlaubsdestinationen, die man bequem mit der Bahn erreichen konnte; Autos konnten sich damals nur die wenigsten leisten. Der Andrang war so groß, dass die ÖBB Sonderzüge führen mussten.
„Österreich, das schönste und billigste Reiseland.“
Die Menschen wollten raus aus der Stadt und hinauf auf die Berge – und das nicht immer unbedingt zu Fuß. So wurden die ersten Seilbahnen gebaut. Um Urlaubsgäste aus dem Ausland anzuziehen, wurde zu dieser Zeit auch die „Österreichische Verkehrswerbung GmbH“ gegründet – mit Büros in mehreren Hauptstädten Europas und Übersee, unter anderem New York. Auch die Bundesbahnen warben für Reisen nach Österreich, das als „schönstes und billigstes Reiseland Europas“ verkauft wurde.
Großformatige Werbeplakate, viele davon Kreationen namhafter Kunstschaffender, festigten Österreichs Image als Sehnsuchtsdestination im Herzen Europas: die Berge, die Seen, die Wälder, die Luftkurorte, die Thermalbäder, die Burgen, die Schlösser! Bei all dem spielte auch die Bahn eine wesentliche Rolle, denn Orte mit Bahnhof hatten deutliche Wettbewerbsvorteile. Sie galt nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern inszenierte sich als Erlebnis. Ein Highlight waren seitlich offene, nur mit einem Schutzdach versehene Aussichtswagen, die Mitte der 1930er Jahre auf den elektrifizierten Bergstrecken Rundumblicke ermöglichten – und somit den Weg zum Ziel machten.
Arlberg-Express, aufgenommen am 17.04.1948© Lothar Rübelt/ÖNB-Bildarchiv, picturedesk.com
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