Die Revolutionierung des Güterverkehrs

Schneller, besser, wirtschaftlicher und drei neue Großverschiebebahnhöfe: Der Güterverkehr auf Schiene erlebte einen Boom.

Kohlenzug für das Kraftwerk Dürnrohr

Der nationale und internationale Frachtverkehr auf der Schiene gewann ab den 1970er Jahren immer mehr an Bedeutung. Strecken wurden ausgebaut, neue Drehgestellwagen mit unterschiedlichen Aufbauten erworben, um schwerere Lasten wirtschaftlich transportieren zu können. 

Die neuen Güterwagen konnten direkt durch Kräne, Förderbänder und Stapler beladen werden. Das hatte zwei große Vorteile: verminderten Personalaufwand und kürzere Ladezeiten. Der rasant angewachsene Containerverkehr erforderte neben einer großen Anzahl an Containertragwagen aber auch noch etwas anderes: den Bau von Containerterminals mit großen Verladekränen, um die Lasten in den Güterbahnhöfen auf die Lkws umladen zu können.

Ausbau der „Rollenden Landstraße“ und des „Huckepackverkehrs“.

Auch die „Rollende Landstraße“ nahm an Fahrt auf. Darunter verstand man die Beförderung von Lastkraftwagen auf Zügen unter Verwendung von speziellen Niederflurwagen, wobei die Lkws selbst auf den Zug aufgefahren und dann wieder von diesem heruntergefahren wurden. So konnten die Lenker:innen in Begleitwagen mit Ruheabteilen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten.

Als Alternative gab es unbegleitete Anhängertransporte in Taschenwagen – Güterwagen, die speziell für den Transport von Lkw-Sattelanhängern konzipiert wurden – bzw. mit Wechselaufbauten und Kleincontainern. 

Rollende Landstraße transportiert Güter

Drei neue Großverschiebebahnhöfe für den schnelleren Güterwagenumlauf.

Auch der Transportsektor des Stückgutverkehrs (unter „Stückgut“ versteht man sämtliche Güterarten, die sich als eine Einheit lagern und im Stück transportieren lassen) wurde wirtschaftlicher: Er wurde von den Einzelbahnhöfen in Knotenbahnhöfe verlagert. 

Mitte der 1980er Jahre wurden nach langer Planungs- und Bauzeit die drei österreichischen Großverschiebebahnhöfe Wien-Kledering, Villach Süd und Wolfurt eröffnet. Das war ein großer Schritt, denn der Güterwagenumlauf konnte dadurch beschleunigt werden – und das wiederum hatte eine Verkürzung der Gesamttransportzeiten zur Folge.

Das Prozedere konnte wesentlich verbessert werden, denn zuvor wurden die Wagen in sieben(!) Verschiebebahnhöfen in Wien einzeln auseinandergekuppelt, verschoben und in neue Güterzüge eingereiht. Jetzt konnten die Güterzüge in einem einzigen Bahnhof gebildet werden. 
Über moderne Rechner werden seither funkferngesteuerte Lokomotiven eingesetzt, die die eingefahrenen Güterzüge über einen sogenannten Rollberg drücken, einen künstlich angelegten Hügel, wo sie dann selbstständig hinunterrollen und in eines der 48 Richtungsgleise gebracht werden. Dort werden sie zu neuen Güterzügen gekuppelt und mit Lokomotiven bespannt. Die Inbetriebnahme der drei großen Verschubknotenbahnhöfe ermöglichte also eine völlige Neuorientierung des Güterverkehrs im Schienenverkehr Österreichs.

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