Neue Zugverbindungen in andere Länder

In den 1960er Jahren wurde das Bahnnetz in die Nachbarstaaten ausgebaut, außerdem weiterhin elektrifiziert und modernisiert.

Paradezug „Transalpin“

„Transalpin“ nannte sich der Paradezug der ÖBB ab 1958. Er verband Wien mit Zürich auf kürzestmöglichem Weg. Ab 1965 wurden die bisher verwendeten elektrischen Fernverkehrstriebwagen durch neue Städtetriebwagen ersetzt, die nicht nur schneller, sondern auch besonders ruhig waren und sich durch höchsten Sitzkomfort auszeichneten. Durch die Führung über das „Deutsche Eck“- Rosenheim (statt über Zell am See) wurde dann in den 1980ern die Fahrzeit nochmals verkürzt.

Die nächste Phase der Elektrifizierung.

1956 konnte der elektrische Betrieb auf der Südbahnstrecke zwischen Wien und Gloggnitz aufgenommen werden, 1959 war die Semmeringstrecke zwischen den Bahnhöfen Payerbach-Reichenau und Mürzzuschlag an der Reihe, was kürzere Fahrzeiten und eine wirtschaftlichere Betriebsführung zur Folge hatte. 

Bis die Südbahnstrecke zwischen Wien und der italienischen Grenzstation Tarvisio durchgehend elektrisch befahrbar war, dauerte es aber noch bis 1963.

Neue Verbindungen für neue Passagiergruppen.

Die „Olympischen Winterspiele 1964“ im Raum Innsbruck brachten der Bahn neue Rekorde hinsichtlich Fahrgastzahlen aus dem In- und Ausland. 

1964 wurde die Jauntalbahn, eine 19 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen St. Paul im Lavanttal und Bleiburg eröffnet. Das hatte den Vorteil, dass das Lavanttal wieder direkt mit der Landeshauptstadt Klagenfurt verbunden war und der jahrzehntelange, in der Praxis kaum vorgenommene Umwegverkehr über das jugoslawische Dravograd (früher Unterdrauburg) entfallen konnte. 

Die dabei errichtete Draubrücke mit 97 Meter Pfeilhöhe und einer Tragwerkslänge von 430 Metern wurde zu einem Symbol des „modernen Österreichs“ der 1960er Jahre.

Bahnhof Seefeld in Tirol In neuem Gewande und „olympiareif“ präsentierte sich der Bahnhof Seefeld in Tirol.

Die Bahn und der „Gastarbeiterverkehr“ nach Westdeutschland und Österreich.

Ab Mitte der 1960er Jahre entwickelte sich auch der sogenannte „Gastarbeiterverkehr“. 

In Westdeutschland herrschte aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs und Baubooms ein Arbeitskräftemangel, weshalb man Arbeitskräfte aus den Balkanstaaten Jugoslawien und Griechenland, später auch aus der Türkei und vereinzelt aus Italien anwarb. 

Mit den „Balkanzügen“, die großteils über die Tauernstrecke Richtung Deutschland geführt wurden, holte man manchmal sogar ganze Familien in den Westen. In geringerem Ausmaß schwappte dieser Boom auch auf Österreich, insbesondere Wien, über.

Gastarbeiter am Wiener Westbahnhof Gastarbeiter in Wien 1973, aufgenommen am 01.01.1973

Rückbauten erwiesen sich als kontraproduktiv.

Weil der Eiserne Vorhang ab 1945 zu Verkehrsrückgängen geführt hatte, mussten in den 1960er Jahren auf Druck der Regierung auch bestimmte Strecken in Richtung der Ostblockstaaten Tschechoslowakei und Jugoslawien redimensioniert werden. 

Das hieß im Konkreten, dass die zweigleisigen Streckenabschnitte Stadlau - Marchegg, Absdorf-Hippersdorf - Gmünd und Graz - Spielfeld Straß eingleisig rückgebaut wurden. Damit wollte man den Erhaltungsaufwand reduzieren, aber hatte eines nicht bedacht: Durch den eingleisigen Betrieb kam es zu verlängerten Fahrzeiten. Und deshalb wichen wiederum viele auf den Straßenverkehr aus.

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