„Wir sind frei“
titelte die Extra-Ausgabe der Tageszeitung Kurier vom 15. Mai 1955 – darunter ein Sonderbericht aus dem Sondersaal des Belvederes, wo der Staatsvertrag unterzeichnet wurde: Ein feierlicher Akt und der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des Landes.
Was die neue Freiheit für die ÖBB bedeutete.
Österreich hatte zwar seine politische Eigenständigkeit wieder, litt aber noch an den Nachwehen des Krieges. So bestand die Sowjetunion auf Reparationszahlungen, die Österreich noch bis 1965, zehn weitere Jahre lang, leisten sollte.
Dabei handelte es sich allerdings nicht um Gelder, sondern um Rohöllieferungen, denn Rohöl gab es zu dieser Zeit in Österreich reichlich: Das Land gehörte damals tatsächlich zu den größten Erdölproduzenten Europas.
Der Großteil des Rohöls, das in Kesselwagen der ÖBB transportiert wurde, stammte aus dem Weinviertel, um genau zu sein aus Aspern, Neusiedl an der Zaya und Aderklaa im Marchfeld bei Wien. Das waren zu dieser Zeit die ergiebigsten Ölquellen des Landes.