Parallel zu den Wiederaufbauprogrammen entstand auch viel Neues – wenn auch zögerlich, denn finanzielle Mittel waren, wie so oft bei den ÖBB, knapp. Das größte Projekt war sicherlich die Elektrifizierung des letzten Streckenabschnittes der Westbahn zwischen Amstetten und Wien.
Ab Dezember 1952 war hier endlich ein durchgehender elektrischer Betrieb zwischen Wien und der Schweizer Grenze bei Buchs möglich.
Kassenhalle des neuen Wiener Westbahnhofs, 1953.Der neue Westbahnhof in Wien – und andere neue Bahnhöfe.
Im Zuge der Elektrifizierung wurde auch der erste Abschnitt des neuen Bahnhofsgebäudes Wien Westbahnhof mit elf neuen Bahnsteiggleisen eröffnet: Die „neuzeitliche“ große Glasfassade erregte einiges Aufsehen.
Leider beging man damals aber auch ein paar Fehler in der Planung, wie zum Beispiel die Einzelüberdachung der Bahnsteige. Bei größeren Schneemengen waren Betriebsbehinderungen vorprogrammiert; eine gemeinsame Überdachung der Gleise wäre besser gewesen.
Neben dem Wiener Westbahnhof wurden auch die Bahnhofsgebäude Linz, Graz, Villach, Innsbruck und mehrere kleinere Bahnhöfe errichtet – in einem neuen, minimalistischen Stil.
Südbahnhof, aufgenommen am 29.09.1956.Kraftwerke, Tunnelbohrungen & Co: Was alles mit der Elektrifizierung einherging.
Für die Elektrifizierung war ein Rattenschwanz an weiteren Maßnahmen erforderlich. So mussten gleichzeitig neue Kraftwerke gebaut werden – die elektrische Energie für den Betrieb musste schließlich von irgendwo herkommen. Auch sämtliche Telefon- und Fernmeldefreileitungen mussten auf Erdkabel umgelegt und die Sicherungsanlagen dem jeweiligen Stand der Technik angepasst werden. Für die Elektrifizierung der Südbahnstrecke war es sogar nötig, parallel zum Semmering-Scheiteltunnel eine zweite Tunnelröhre zu bohren, die eingleisig in Betrieb genommen wurde, denn der elektrische Betrieb erforderte einen größeren Tunnelquerschnitt. Zusätzlich wurde der bis dahin im Dampfbetrieb befahrene zweigleisige „Alte Semmeringtunnel“ generalsaniert, neu abgedichtet und ebenso eingleisig wiedereröffnet. 1959 war dann die gesamte Semmeringstrecke elektrisch betrieben.
Eisenbahn Weststrecke, aufgenommen am 06.11.1952.Neue Werkstätten, neue Geräte.
Schrittweise entstanden auch neue bundesbahneigene Werkstättengebäude, die man mit neuzeitlichen Werkzeugmaschinen und Geräten ausrüstete. So wurde 1948 das Güterwagenwerk Jedlersdorf neu gebaut, wo erstmals ein effizientes Fließtaktverfahren bei planmäßigen Revisionen der Güterwagen eingeführt wurde. Durch diese Maßnahme konnte die Hauptwerkstätte Floridsdorf vorerst vermehrt Dampflokomotiven reparieren.
Ende der 1950er Jahre konnte dann die Ausbesserung der Elektrotriebwagen neu eingerichtet werden. Schrittweise konnten auch neue Elektrolokomotiven, Dieseltriebwagen, Reisezug- und Güterwagen angekauft und in Betrieb gestellt werden. Es ging voran, bei den ÖBB.