1945 – Die ÖBB unter der Verwaltung der Alliierten

Wie sich die Vierteilung Österreichs in die Besatzungszonen auf den Bahnverkehr auswirkte.

Russische Grenzkontrolleure beim Haltepunkt an der Demarkationslinie beim Südportal des Semmeringtunnels Russische Grenzkontrolleure beim Haltepunkt an der Demarkationslinie beim Südportal des Semmeringtunnels, 1950.

Österreich-Karte mit den vier Besatzungszonen Nach Kriegsende wurde Österreich in vier Besatzungszonen geteilt.

Die Besatzungszonen der Alliierten orientierten sich an den Bundesländergrenzen von 1937, also der Vorkriegszeit: Die UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken) verwaltete Niederösterreich, das Burgenland und Oberösterreich nördlich der Donau, den USA wurde Oberösterreich südlich der Donau und Salzburg zugeordnet, Frankreich war für Tirol und Vorarlberg zuständig und England verwaltete Kärnten, die Steiermark und Osttirol. Wien war ein Spezialfall: Die Alliierten teilten sich 22 Bezirke untereinander auf, nur der Erste Bezirk wurde gemeinsam verwaltet.

Menschenmassen bei Ankunft des Amerikanischen Freundschaftszuges in Wien Ankunft des Amerikanischen Freundschaftszuges in Wien, aufgenommen am 23.03.1948.

Neue Grenzen und Kontrollen.

Es gab innerhalb des Landes nun mehrere neue Grenzen, die sogenannten „Demarkationslinien“. Nur Personen mit dem viersprachigen Identitätsausweis und der „Alliierten Reiseerlaubnis“ durften sich zwischen den Zonen bewegen. Kontrollen an den Demarkationslinien gab es viele Jahre lang. Die westlichen Alliierten ließen irgendwann davon ab, nur die UdSSR nicht: Die Kontrollen an der UdSSR-Grenze waren streng und gefürchtet. Immer wieder kam es zu willkürlichen Verhaftungen und Verschleppungen in sowjetische Lager.

Eigene Züge für die Alliierten.

Die Alliierten Militärbehörden waren für die Dinge des täglichen Bedarfs auf die Eisenbahn angewiesen – von Post über Pakete bis zu Versorgungsgütern. Vorerst fuhren damit nur Personen des Militärs, später auch Zivilist:innen. Der bekannteste Besatzungszug nannte sich „Mozart-Zug“ und war den USA vorbehalten, er fuhr vom Wiener Franz-Josefs-Bahnhof nach Salzburg und München. Die Route der UdSSR führte zuerst vom Wiener Ostbahnhof in Richtung ungarische Grenze, später von Baden, wo sich das sowjetische Hauptquartier befand, über Wiener Neustadt nach Gramatneusiedl.

Dokument mit Strecken der Besatzungsmächte Strecken der Besatzungsmächte, 1950.

Geflüchtete und Vertriebene einerseits, Heimkehrer andererseits.

Neben diesen Besatzungszügen wurden nach Kriegsende auch viele Geflüchtete, Vertriebene und ehemalige Zwangsarbeiter:innen mit der Bahn in ihre Heimatländer zurückgebracht. Auf der anderen Seite gab es wiederum die Heimkehrer: ehemalige Wehrmachtsoldaten, die aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Österreich zurückkamen. Sie kamen meistens am Wiener Ostbahnhof und am Bahnhof Wiener Neustadt an, wo sie von Menschenmassen empfangen wurden. Viele Frauen warteten dort allerdings vergeblich auf die Rückkehr ihrer Männer.

Heimkehrer am Bahnhof in Wiener Neustadt Heimkehrer am Bahnhof in Wiener Neustadt.

Zur Epochen-Übersicht