In vielen Branchen sind Frauen, insbesondere in Führungspositionen, deutlich unterrepräsentiert. Besonders sichtbar wird das u.a. in der Mobilitätsbranche, wo der Anteil von Frauen deutlich unter 30 Prozent liegt. Diese Zahlen sind mehr als nur statistische Auffälligkeiten – sie haben konkrete Auswirkungen auf das Leben von Frauen und auf die Gesellschaft insgesamt.
Ungleichheit hat System
Zu Gast in der ÖBB Open Innovation Factory war Barbara Blaha, Leiterin des Momentum Instituts, die in ihrer Keynote eindrücklich aufzeigte, wie tief Ungleichheit gesellschaftlich verankert ist. Geschlechterrollen werden nicht erst im Berufsleben geprägt – sie begleiten uns von Anfang an. Bereits im Kindesalter werden Erwartungen und Zuschreibungen vermittelt, die später Entscheidungen, Chancen und Wege beeinflussen.
Ein besonders prägender Faktor ist die sogenannte „unsichtbare Arbeit“: Frauen leisten nach wie vor einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Care-Arbeit und das seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Nur jeder fünfte Vater nimmt Elternkarenz in Anspruch. Diese ungleiche Verteilung beginnt im privaten Umfeld und setzt sich im Berufsleben fort, wo Frauen anders wahrgenommen werden und seltener verantwortungsvolle Positionen erhalten.
Zugleich wird sichtbar, was Blaha als „unfaire Spielregeln“ beschreibt: Selbst bei identischen Lebensläufen erhalten Männer häufiger Einladungen, bessere Gehaltsangebote und mehr Vertrauen in ihr Potenzial, während Frauen ihre Kompetenz öfter erst unter Beweis stellen müssen. Mütter sind zudem häufiger von Benachteiligung betroffen als Väter.
Gleichstellung im Unternehmensalltag
Auch innerhalb der ÖBB zeigt sich, dass auf dem Weg zur Gleichstellung noch Herausforderungen bestehen. In der anschließenden Podiumsdiskussion betonten Traude Kogoj, Leiterin des Lösungscenter Inclusion & Diversity, und Johann Pluy, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur, unterschiedliche, aber ergänzende Perspektiven.
Für Traude Kogoj ist klar: Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel. Entscheidend sei es, konkrete Rahmenbedingungen zu schaffen – etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder bei der Gestaltung von Schichtmodellen. Gleichzeitig brauche es offene Kommunikation, das Commitment von Führungskräften und eine klare strategische Verankerung von Gleichstellung und Inklusion im Unternehmen.
Johann Pluy betonte die Bedeutung von Vielfalt aus unternehmerischer Sicht: Diversität stärkt Teams und erhöht den Erfolg. Sogenannte „Monokulturen“ hingegen bergen Risiken. Entscheidend sei dabei eine Haltung des Respekts – und die Bereitschaft, Menschen unabhängig von Geschlecht oder Lebenssituation Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.
Zwischen Fortschritt und Gegenbewegung
Gleichzeitig wurde auch ein Thema angesprochen, das viele aktuell beschäftigt: Trotz Fortschritten in Richtung Gleichstellung werden aktuell auch Gegenbewegungen sichtbar. Diskussionen rund um Rollenbilder oder die Angst vor vermeintlicher „Männerdiskriminierung“ zeigen, dass Gleichstellung nicht von allen als gemeinsames Ziel gesehen wird. Hier wurde deutlich: Es braucht weiterhin Dialog, Aufklärung und gemeinsame Verantwortung. Gleichstellung ist kein „Entweder-oder“, sondern ein Gewinn für alle. Eine Gesellschaft und damit auch ein Unternehmen funktioniert dann am besten, wenn alle Menschen ihr Potenzial entfalten können.
Unser gemeinsamer Auftrag
Als ÖBB haben wir den klaren Anspruch, ein respektvolles und sicheres Arbeitsumfeld zu gestalten, in dem sich alle Kolleg:innen wohlfühlen und ihre Potenziale entfalten können. Vielfalt und Gleichstellung sind dabei kein „Zusatzthema“, sondern wesentliche Voraussetzungen für unseren gemeinsamen Erfolg. Es ist daher entscheidend, sich jeden Tag aufs Neue bewusst zu machen: Gleichstellung ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein gemeinsamer Auftrag, der aktives Engagement von jeder:m Einzelnen braucht.