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Digitalisierung gestalten

Ein Jahr lang wurde mit Unternehmen das Thema Digitalisierung aus der genderspezifischen Perspektive beleuchtet und Ergebnisse und Szenarien entwickelt. Der zentrale Befund: Digitalisierung kann nur zukunftsfähig sein, wenn Frauen mitgestalten und an der Digitalen Dividende teilhaben.

Genau vor einem Jahr wurde die von der AK Wien und den ÖBB initiierte Dialogreihe Digitalisierung gestalten gestartet. In drei ergebnisorientierten Gesprächen diskutierten ExpertInnen von u.a. Infineon, Asfinag, Hafen Wien, der Pädagogischen Hochschule, TU-Wien, AIT, Stadt Wien über die unterschiedlichen Strategien der Digitalisierung in Unternehmen. Dabei waren sowohl Transformationsprozesse Thema als auch welche Jobs sich wie verändern und was diese Veränderung, insbesondere für weibliche Beschäftigte, bedeutet.

Grundlegend wurde festgestellt, dass der digitale Wandel eine Kombination aus Automatisierungen und menschlichem Handeln ist. Die größten Veränderungen dabei erfolgen im Dienstleistungsbereich - sowohl auf der Ebene der Produktionskette als auch die daraus resultierenden Produktinnovationen. Warum ausgerechnet in diesem Bereich? Der Wettbewerb treibt die Innovationen voran; im Dienstleistungssektor durch die boomende Plattformökonomie (Sharing Economy).

Ob sich der digitale Veränderungsprozess auf das Geschlechterverhältnis auswirkt und zur Gleichstellung von Mann und Frau beiträgt, hängt davon an, wie die Unternehmen den digitalen Wandel umsetzen. Dabei konnten fünf relevante Szenarien ausfindig gemacht werden:

  • Berufliche Anforderungen verändern sich durch die Digitalisierung
  • Große Investitionen in Sicherheitsleistungen
  • Einzelstrategie von Unternehmen oder Aufbrechen von Datensilos
  • Veränderungsprozesse durch Führungspersonen Top down
  • Ungewisse Entwicklung durch Geschlechtertrennung:       
    Männer gestalten die Digitalisierung, Frauen setzen sie um

Allesamt zeigen, dass die Produktivität der MitarbeiterInnen nachhaltig ist, sofern die Technologien dem Menschen dienen und nicht anders herum. Sie sollen die Arbeit erleichtern, Zugangsbarrieren abbauen, zur Chancengleichheit beitragen und Platz für Kreativität schaffen. Essentiell und dementsprechend eine wesentliche Voraussetzung dafür ist es, dass die MitarbeiterInnen den Wandel mitgestalten. So werden möglichst unterschiedliche Perspektiven (Frauen, Männer, Alte, Junge, Ethnie, etc.) integriert, die im daily business von Bedeutung sind.

Resümee bei der Abschlussveranstaltung

Die Digitalisierung birgt viele Chancen, einige Risiken und sollte möglichst breit mitgestaltet werden. Folglich ist eine Diskussion über die Digitalisierung ohne Frauen nicht zukunftsfähig, so die Schlussfolgerung des hochrangig besetzten Podiums bei der Abschlussveranstaltung am 19. Juli im Technologiezentrum Seestadt. Die Unternehmen sind daher gefordert, die geschlechtsspezifische Lücke bei der Arbeit mit neuen Technologien zu schließen - durch beispielsweise Sicherstellung der digitalen Exzellenz, Gender Budgeting, feministische Perspektiven oder Diskussion darüber, welchen Werten sich der digitale Wandel verpflichtet sieht.

Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur, sieht Chancen auf eine Erhöhung des Frauenanteils von aktuell sieben Prozent im Unternehmen durch digitale Hilfsmittel, Beispiel Fahrdienstleistung: "Da hat die Digitalisierung zwar Arbeitsplätze gekostet, es ist aber heute ein Berufsbild, das für Frauen zugänglicher ist." Die Arbeit mit und an der Schiene war oft Schwerstarbeit.

  • Weitere Statements...

    Doris Pulker-Rohrhofer, Geschäftsführerin des Hafens Wien, mit 32 Prozent Frauen unter den Beschäftigten, aber nur einer unter den Outdoor-Terminal-Arbeitern, wünscht sich mehr Role-Models in der Technik. "Und zwar nicht nur unter den Auszubildenden, sondern auch jenen, die ausbilden", ergänzt Sigrun Alten, Leiterin der Lehrlingsausbildung bei Infineon.

    Petra Draxl, Geschäftsführerin AMS Wien, verweist auf Bildungsdefizite: "Österreich hinkt bei der Qualifizierung nach und zwar vom Kindergarten bis zu den arbeitsmarktpolitischen Angeboten. Nur wenige sind am Stand des Lernens. Das verlangt große Investitionen in die Bildungslandschaft."

    TU-Wien-Vizerektorin Anna Steiger: "In der Elektrotechnik schrammen wir mit neun Prozent nicht mal an den zehn."

    Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl folgert am Podium: "Digitalisierung muss gestaltet werden. Wenn man die Besten will, kann man auf Frauen nicht verzichten." Die neun Arbeiterkammern wollen 150 Millionen Euro für eine Digitalisierungsoffensive für Beschäftigten investieren, da die öffentlichen Förderungen fast nur Unternehmern zu Gute kommen.

    Katharina Hochfeld vom Center for Responsable Research and Innovation im Fraunhofer Institut verweist auf den großen Wandel: "Wir leben in einem Strukturwandel, welche Berufsprofile, welche technischen Anforderungen in der Zukunft benötigt werden, ist unbekannt. Wichtig sind aber Veränderungsbereitschaft, hohe kognitive Fähigkeit und hohe Lösungskompetenz."

    Die Initiatorinnen der Dialogreihe, Ingrid Moritz (AK Wien) und Traude Kogoj (ÖBB-Holding) resümieren: "Digitalisierung kann nur zukunftsfähig sein, wenn sie mit den Frauen stattfindet. Um das zu gewährleisten, müssen sie bei der Entwicklung und Umsetzung von digitalen Veränderungen mitwirken. Öffentliche Förderungen sollen daher nur für Projekte vergeben werden, an denen Frauen maßgeblich mitgestalten."