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Unter Beobachtung

Seit Bestehen der Eisenbahn gibt es diverse Systeme zum Schutz vor Naturereignissen. Dazu gehören bauliche Maßnahmen ebenso wie die Pflege der Schutzwälder. Aber auch mögliche Gefahren durch den Klimawandel haben die ÖBB am Radar. Hier heißt die Strategie vor allem: genaueste Beobachtung.

„Das mit dem Klimawandel ist so eine Sache“, sagt Christian Rachoy, Geschäftsbereich Streckenmanagement und Anlagenentwicklung (SAE), Fahrwegtechnik, Geotechnik und Naturgefahrenmanagement. „Wir sehen, dass sich Dinge verändern. Aber ganz objektiv gesprochen kann man sie noch nicht eindeutig dem Klimawandel zuordnen.“ Was aber eindeutig messbar sei, ist der Anstieg der Durchschnittstemperatur um ein Grad im Alpenraum. Christian Rachoy und Herbert Kupka, die sich im Team Geotechnik und Naturgefahrenmanagement auch mit Meteorologie beschäftigen, halten es für wahrscheinlich, dass es bis zum Ende des Jahrhunderts nochmals rund zwei Grad mehr werden könnten.

Feuer und Wasser

Zu den drastischeren Auswirkungen des Temperaturanstiegs gehören Probleme mit Wald- und Böschungsbränden. Gemeinsam mit den Regionen von SAE setzt man deswegen stark auf Beobachtung. „Wir dürfen hier nichts verschlafen“, sagt Christian Rachoy, „wir müssen das Wetter konstant beobachten und reagieren, wenn es länger keine Niederschläge gegeben hat.“ Aber natürlich auch dann, wenn es welche gibt, muss beobachtet werden. „Der Temperaturanstieg führt dazu, dass die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Vereinfacht gesagt: Die Niederschläge sind nicht unbedingt mehr, aber dafür umso extremer“, ergänzt Jürgen Stern, Teamleiter Geotechnik und Naturgefahrenmanagement, SAE.

Das Wetter spielt verrückt?

„Unsere Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sind derzeit vorwiegend organisatorisch“, erklärt Herbert Kupka. Die KollegInnen betreiben 45 eigene Wetterstationen, ziehen Schlüsse aus permanenter Beobachtung und Überwachung der Witterung. Seit 2006 gibt es ein streckenbezogenes Wetterwarnsystem – infra:wetter –, auf das auch mobil zugegriffen werden kann. Zusätzlich dazu gibt es eine Warneinrichtung, die die KollegInnen per SMS oder E-Mail darüber informiert, wenn Niederschläge oder Stürme Schwellwerte überschreiten.

Technische und biologische Schutzmaßnahmen

Neben massiven Schutzverbauungen, wie etwa Dämmen, Galerien, Tunneln, Netzen oder Lawinenverbauungen, sind auch die Wälder ganz wesentlich. Die forstlichen und biologischen Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle um Erosion, Bodenabtrag und Verwitterung zu verhindern. Bei starken Niederschlägen ist der Waldboden ein idealer Wasserspeicher.

„Der Temperaturanstieg führt aber dazu, dass sich gewisse Baumarten nicht mehr so wohlfühlen“, erklärt der gelernte Forstwirt Christian Rachoy. „Wir müssen uns jetzt schon genau überlegen, mit welchen Baumarten wir aufforsten, damit wir in den nächsten – wohl wärmeren – Jahrzehnten keine Probleme haben.“

„Eines habe ich jedenfalls auch für mich persönlich registriert“, sagt Christian Rachoy,  „die Veränderungen sind mittlerweile schneller eingetreten, als man es erwartet hätte. Viel schneller.“

Wussten Sie, dass:

  • die Temperatur seit 1884 über ein staatliches Messnetz gemessen wird, aus dessen Aufzeichnungen sich klar ablesen lässt, dass es in den letzten Jahren im Alpenraum um ein Grad wärmer geworden ist?
  • zum Beispiel bei Hochwassergefahr MitarbeiterInnen an den wichtigsten Stellen, etwa an Brücken, zur Beobachtung positioniert werden? Der jeweilige Streckenverantwortliche entscheidet aufgrund ihrer Berichte dann, wann eine Strecke wegen akuter Überschwemmungsgefahr gesperrt werden muss.
  • unsere Schutzwälder mit Schädlingen und Pilzen zu kämpfen haben, denen es früher bei uns noch zu kalt war?