ÖBB Logo

Weg damit? Das zweite Leben des Abfalls

Abfall ist nicht gleich Abfall. Der Umgang mit Bodenaushub, Bauschutt, Gleisschotter & Co. will gelernt sein. Vor allem aber gilt: Abfall ist vielseitig einsetzbar und kann zum wichtigen Sekundärrohstoff werden.

Gruppenfoto Abfallwirtschaftschulungen

Man könnte es fast als die Bibel einer/eines jeden Abfallbeauftragten bezeichnen: das Abfallwirtschaft-Gesetzbuch. „In den letzten Jahren hat dieser Kodex kontinuierlich an Gewicht zugenommen“, erzählt Erich Kolb mit einem Augenzwinkern. Und verweist damit gleichzeitig auf die Komplexität und Ernsthaftigkeit des Themas Abfallwirtschaft und Recycling. Er ist Abfallbeauftragter innerhalb der ÖBB-Infrastruktur und ein wahrer Experte auf seinem Gebiet. Einerseits unterstützt und berät er KollegInnen bei der Umsetzung und Einhaltung der abfallrechtlichen Vorschriften. Andererseits sichert er das Unternehmen damit gegen rechtliche Strafen ab und optimiert außerdem Entsorgungskosten.

Abfallentsorgung ist Expertensache

Inertabfalldeponie

2016 fielen bei der ÖBB-Infrastruktur 5,79 Millionen Tonnen „Abfälle“ inklusive der betriebseigenen Deponien aus dem Bereich Errichtung, Betrieb und Instandhaltung sowie aus Neubauprojekten an. Konkret sind das etwa Gleisschottermaterial, Eisenbahnschwellen aus Holz und Beton, Baurestmassen, Bodenaushub und Tunnelausbruchmaterial. Aber Abfall ist nicht gleich Abfall. „Wir können unseren Bodenaushub nicht etwa einfach an irgendeinen Sammler oder Behandler übergeben. Zuerst muss er diverse chemische Analysen durchlaufen“, erklärt Erich Kolb. Daraus ergeben sich Qualitätseinstufungen und erst dann kann entschieden werden, welcher spezifische Sammler oder Behandler den Abfall bekommen soll.

Material sinnvoll nutzen

Im besten Fall aber wird anfallendes Material erst gar nicht zu Abfall. So etwa beim Bau des Koralmtunnels. Denn das Tunnelausbruchmaterial wird hier für die Herstellung von Gesteinskörnern produziert und schließlich für die Betonproduktion verwendet. Der Beton wird dann zu Tübbings weiterverarbeitet. So werden die Stahlbetonteile genannt, die den Tunnel innen gegen das Gebirge abstützen. Dadurch erspart man sich die CO2-intensive Anlieferung bzw. den Abtransport des Ausbruchmaterials durch unzählige LKWs.

Tübbinge

Abfall voller Energie

Was für den einen vielleicht Abfall ist, lässt sich aber nicht nur in Beton umwandeln, sondern auch in Energie. Die Rail Cargo Austria transportiert jährlich – natürlich umweltfreundlich auf der Schiene – 1.500 Wagenladungen Abfälle aus unterschiedlichen Standorten zur Müllverbrennungsanlage in Zistersdorf. Hier wird er in Strom umgewandelt, der zum Großteil wieder von den ÖBB abgenommen wird.

Recycling an Ort und Stelle

Auch beim Bau des Hauptbahnhofes hat man sich Gedanken gemacht, wie anfallendes Material sinnvoll weiterverwendet werden kann. Hier fiel eine Menge wiederverwertbarer Stoffe wie Metalle, Holz und Glas an. Der Betonabbruch alter Gebäude wie etwa des Postkomplexes wurde als Schüttmaterial wiederverwendet.

„Unser Ziel ist es jedenfalls immer, Abfälle zu vermeiden und, wo möglich, Material zu recyceln, um Ressourcen zu schonen“, sagt Erich Kolb.

Zahlen und Fakten

  • Die Abfallstrategie der ÖBB-Infrastruktur beruht auf drei Säulen: Rechtssicherheit, Kostenoptimierung, Image.
  • Dafür arbeiten im Team Abfallwirtschaft & Umwelttechnik derzeit acht MitarbeiterInnen für die ÖBB-Infrastruktur.
  • Das Abfallwirtschaftsgesetz umfasst aktuell 91 Paragrafen. Gemeinsam mit 25 dazugehörigen Verordnungen ergibt es den 1,60 kg schweren Umweltrecht-Kodex.
  • Laut Bundeswirtschaftsplan 2017 gibt es derzeit 999 Deponien in ganz Österreich. Davon werden zehn von den ÖBB betrieben, eine befindet sich in der Nachsorgephase.
  • Koralmtunnel: Ca. 1,2 Millionen Tonnen Tunnelausbruchmaterial werden direkt auf der Baustelle zur Betonproduktion verwendet.
  • Alleine durch unsere Abfälle werden in der Müllverbrennungsanlage Zistersdorf bis zu 74.200 MWh Strom produziert – das entspricht der Versorgungsleistung von rund 21.000 Haushalten und erspart der Umwelt 28 Mio. Liter Heizöl.
  • 235.000 Tonnen Glasverpackungen werden jährlich gesammelt und umweltfreundlich mit der Bahn zur Weiterverarbeitung und/oder Wiederbefüllung transportiert.