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Wenn weniger wirklich mehr ist

So viel brachte das von 2011 bis 2016 laufende, ÖBB-weite Energiesparprojekt: Rund 65.100-mal könnten Sie von Wien nach London und wieder retour fliegen – so viele CO2-Emissionen konnten bislang durch das Projekt eingespart werden. Konkret sind das 34.000 Tonnen. Oder anders ausgedrückt: 185 Gigawattstunden Energie wurden 2016 gegenüber 2011 eingespart, das entspricht Kosten von 16,5 Millionen Euro. Zu verdanken haben die ÖBB das bisher Erreichte den Einsparungen und Effizienzsteigerungen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Große Potenziale im Zugbetrieb

Der größte Anteil am Energieverbrauch und großes Einsparungspotenzial liegt im Zugbetrieb. So wurden die Schienenfahrzeuge technisch verbessert, man legte den Fokus vor allem auf eine energiesparende Fahrweise. Ziel: den Energiebedarf bei der Zugfahrt senken, ohne dass es sich auf Betriebsqualität oder Fahrplan negativ auswirkt. Weiters wurden Fahrzeitreserven im Fahrplan möglichst gleichmäßig verteilt, die ZuglenkerInnen dazu aufgefordert, hohe Geschwindigkeiten und zusätzliche Stopps zu vermeiden. Im elektronischen Buchfahrplan zeigt jetzt eine zweite Spalte an, welches die optimale Geschwindigkeit wäre. So sind wir garantiert energiesparender unterwegs.

Zuglenker
Cityjet

Energiereiches Bremsen

Auch die Fahrzeugtechnik spielte bei den Verbesserungen eine wesentliche Rolle. LED-Scheinwerfer und LED-Lampen im Innenbereich der Züge, eine verbesserte Software von Lokomotiven für niedrigeren Stromverbrauch im Nebenbetrieb, und auch neue, effizientere Triebfahrzeuge wie die neuen Cityjets sorgen heute für Einsparungen. Standardmäßig verfügen nun auch alle neuen Fahrzeuge über eine Rückspeisebremse, die ihre Energie direkt in die Oberleitung einspeist.

Energiesparen als Dauerbrenner

Energiesparen ist eine nachhaltige Angelegenheit. Unser Ziel ist, bis 2020 die konzernweite Energieeffizienz um 7,5 % zu steigern. Dazu untersuchen wir, welche Maßnahmen noch intensiviert werden können und wo wir gänzlich neue Wege gehen.

Mehr Information und Kommunikation für weniger Energie

Im Juli startet ein Testbetrieb, bei dem die MitarbeiterInnen, die für pünktliches und konfliktfreies Fahren sorgen, über eine Text-SMS mit der/dem ZuglenkerIn kommunizieren. Sie können Optimierungen zu Fahrplanempfehlungen durchgeben, um z.B. Stopps zu vermeiden. Denn Stopps bedeuten zwangsläufig einen höheren Energieverbrauch und Zeitverlust: Bei einem schweren Güterzug dauert das erneute Anfahren rund zwei Minuten.

Adaptive Zuglenkung in Arbeit

Bis etwa 2021 soll es die sogenannte Adaptive Zuglenkung geben. Im Jahresfahrplan sind die genauen Fahrzeiten vorgegeben. Nachdem das Schienennetz und der Schienenverkehr aber eine komplizierte Angelegenheit sind, kommt es mitunter unweigerlich zu Verschiebungen oder Verzögerungen. Die Auswirkungen müssen dann von den MitarbeiterInnen in den Betriebsführungszentralen geregelt werden, damit es zu keinen Überschneidungen und groben Verspätungen kommt. In Zukunft sollen die BetriebsführerInnen nun durch die adaptive Zuglenkung unterstützt werden. Das System soll dann gleich energieoptimierte Konfliktlösungen anbieten und in Echtzeit an das Triebfahrzeug übermitteln.

Einsparungen auf der Straße

Die FahrerInnen der Postbusse wurden in eigenen Trainings auf ressourcenschonendes Fahren geschult. Mit dem Spritsparometer, einem Fahrzeugdatensystem, das mittlerweile in 1.300 Bussen mitfährt, haben die Dienststelle und auch die FahrerInnen selbst einen guten Überblick über ihren Treibstoffverbrauch, das Fahr-, Brems- und Beschleunigungsverhalten. So kann ordentlich beim Verbrauch eingespart werden. Außerdem sind derzeit vier Elektroautos für die ÖBB im Einsatz, in Zukunft sollen es sukzessive mehr werden.

Geteilte Mobilität

Mittlerweile gibt es 62 CarPools für ÖBB MitarbeiterInnen in ganz Österreich und das Angebot soll weiter ausgebaut werden.

Im Stillstand Energie sparen

Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem der Energiebedarf minimiert werden konnte, ist der Abstellbereich. Reisezugwagen müssen vorklimatisiert bzw. vorgeheizt und frostfrei gehalten werden. Damit hier keine Energie verschwendet wird, gibt es nun den Warmhaltebetrieb für Doppelstockwagen. Mit ihm ist es möglich, die Wagen automatisch etwa zwei Stunden vor Inbetriebnahme automatisiert und langsam aufzuwärmen, anstatt durchgehend zu beheizen.

Moderne Züge bringen manchmal auch neue, energieaufwendige Technik mit sich. Wird ein Railjet abgestellt, haben nun aber auch die vielen Bildschirme im Innenbereich Pause. Das erhöht deren Lebensdauer, sorgt für verlängerte Wartungszyklen und damit auch weniger Personalkosten. Zum Vorwärmen der Fahrmotoren von Dieselloks wird jetzt statt Öl Strom eingesetzt und die Motoren werden in Verschubpausen abgestellt.

Bauen und erhalten

Auch was die Möglichkeiten für energieeffizientes Bauen angeht, war der Wiener Hauptbahnhof ein Megaprojekt. Hier reichte die Bandbreite von effizienter Beleuchtung, Kühlung, Beheizung über Wärmerückgewinnung bis hin zum Einsatz erneuerbarer Energien. Sehen lassen kann sich auch die Fotovoltaikanlage des Wiener Hauptbahnhofes, mit der erneuerbare Energie erzeugt wird. Mehr Details zum Wiener Hauptbahnhof gibt es in diesem Artikel.

Grüne Energie für die Bahn

Vor Kurzem hat die ÖBB-Infrastruktur außerdem das weltweit erste Bahnstrom-Fotovoltaikkraftwerk eröffnet. Mit der neuen Anlage im niederösterreichischen Wilfleinsdorf wird aber direkt 16,7-Hertz-Strom erzeugt und in die Oberleitung eingespeist. Mehr Details zum  Projekt gibt es in diesem Artikel.